#11 Weihnachtsfolge 2025: Rückblick mit Ehrenbürger Albrecht Weinberg
Shownotes
In der letzten Folge des Jahres 2025 ist „kurz erkLeert“ ganz besonders besetzt: Ehrenbürger Albrecht Weinberg und seine Wegbegleiterin Gerda Dänekas sind zu Gast im Podcaststudio bei Pressesprecher Edgar Behrendt und Bürgermeister Claus-Peter Horst. Gemeinsam blicken sie auf ein bewegendes Jahr zurück – im Rathaus feierte Albrecht Weinbergs seinen 100. Geburtstag, begleitet von zahlreichen öffentlichen Terminen, internationalen Medienanfragen und – als Höhepunkt – dem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In der Runde geht es um Heimat, Erinnerungskultur und den Wunsch nach einem würdigen Gedenkort an der ehemaligen Synagoge in Leer. Eine sehr persönliche Weihnachtsfolge über Geschichte, Verantwortung und Menschlichkeit. Und zum Abschluss: Weihnachten, Chanukka und ein Ausblick auf 2026.Kulturtipp: Vorpremiere des Dokumentarfilms über Albrecht Weinberg in Leer in Planung.
Allen Hörerinnen und Hörern Fröhliche Weihnachten & ein gutes, gesundes 2026.
Übrigens: kurz erkLEERT soll auch im Dialog funktionieren. Schicken Sie uns Ihre Themenwünsche und Fragen per E-Mail an: socialmedia@leer.de
Stadt Leer online: website: https://www.leer.de facebook: https://www.facebook.com/stadt.leer.ostfriesland instagram: https://www.instagram.com/stadt.leer.ostfriesland
Dieser Podcast ist eine Produktion von STUDIO VENEZIA – the podcast company: https://www.studiovenezia.de/
Transkript anzeigen
00:00:02: Moin und willkommen bei Kurz Erklärt, dem Podcast aus dem Rathaus in Leer.
00:00:07: Erfahren Sie Neues aus der Stadt und aus der Stadtverwaltung.
00:00:10: Kurz und knackig.
00:00:12: Und manchmal
00:00:12: auch mit einer Prise ostprisisch Mumor.
00:00:15: Und das Beste, Ihre Fragen und Themenwünsche sind willkommen.
00:00:19: Jetzt aber los, es gibt Spannendes zu erklären.
00:00:27: Herzlich Willkommen aus dem Podcaststudio der Stadt Lea.
00:00:29: Heute geht es um die letzte Folge des Jahres, das ist unsere Dezember-Folge.
00:00:35: Und zu Weihnachtsfolge haben wir uns natürlich eine kleine Überraschung überlegt, was die Gäste betrifft.
00:00:39: Also zunächst, das ist jetzt eher keine Überraschung, da begrüße ich natürlich unseren Bürgermeister Klaus-Peter Horst.
00:00:45: Hallo Eddie.
00:00:46: Hallo
00:00:46: CP.
00:00:48: Und dann würde ich sagen, herzlich willkommen der wohl bekanntesten SeniorenwG Deutschlands.
00:00:53: unserem Ehrenbürger Albrecht Weinberg und seiner Begleitung Gerda Denekes.
00:00:57: Hallo, ihr beiden.
00:00:58: Hallo, ich bin der Albrecht Weinberg.
00:01:00: Und ich sage auch Hallo, die Gerda Denekes.
00:01:03: Okay, und erste Frage natürlich.
00:01:06: Wie geht's euch?
00:01:07: Mir geht's wunderbar.
00:01:09: Bisschen vorm.
00:01:10: Wir haben ein bisschen früh aufgestanden heute.
00:01:13: Aber ich habe gut gefrühstückt.
00:01:15: Ja.
00:01:16: Und
00:01:17: Gerda ist eine gute Chefführerin.
00:01:20: Die hat halt ganz genau, wo das Rat aus ist.
00:01:23: Okay, also schon mal gut gelaufen.
00:01:26: Ist das euer erster Podcast heute?
00:01:29: Ich habe gar nicht gewusst, was Postcard ist.
00:01:33: Und Frau Dehnerkast gerne versucht mir das beizubringen, aber ich habe einen hundertjährigen Kopf und das geht nicht so einfach.
00:01:42: Ich kenne nur eine Postcard.
00:01:45: Ja, das ist in der Tat so.
00:01:47: Albrecht wusste nicht, was Podcast ist, aber ich habe versucht es ihm beizubringen, wobei wir ja eigentlich schon Film und Fernseherfahren genug sind und genug Interviews er auch schon gemacht hat.
00:01:59: Genau, ich glaube, da habt ihr tatsächlich mehr Erfahrung als alle anderen hier am Tisch.
00:02:03: Das fällt durchaus auf.
00:02:04: Ich habe gemerkt, bei der Terminfindung, das ist gar nicht so einfach, euch mal ins Rathaus zu kriegen.
00:02:10: Ich erinnere mich gerne, dass du sagtest, Als ich sie fragte, wann habt ihr einen Zeitfenster?
00:02:14: Da hast du gesagt, ja, an dem Tag die zwei Stunden, aber mir nicht.
00:02:18: Also ganz schön was los bei euch.
00:02:19: Das ist tatsächlich so.
00:02:21: Wir haben jetzt bis Weihnachten noch zwei Tage, wo wir noch keine Termine haben.
00:02:26: Ansonsten haben wir nur Termine und ich musste dir Termine vorgeben.
00:02:30: Das ist richtig, ja.
00:02:31: Obwohl wir offiziell ja keine Zeitzeugengespräche mehr machen, haben wir trotzdem viele Einladungen oder Leute kommen zu uns.
00:02:38: Es ist jeden Tag was los, das stimmt.
00:02:41: Also umso mehr freuen wir uns, dass ihr heute hier seid.
00:02:44: Ja, wir haben natürlich uns überlegt, worüber können wir am besten reden mit euch.
00:02:48: Und wenn man jetzt auf das Jahr v.a.
00:02:50: auch wenn das Jahr noch nicht vorbei ist, so ein bisschen zurückblickt, da haben wir festgestellt, es gibt sehr, sehr viele Berührungspunkte zwischen der Stadt, der Stadtverwaltung und speziellen sicherlich auch zwischen dem Bürgermeister und Albrecht.
00:03:02: Also es gibt sehr viele Termine und Anlässe.
00:03:05: Da kann man sagen, da gehören Gerda und Albrecht einfach mittlerweile dazu.
00:03:08: Das freut uns sehr.
00:03:10: Und das möchten wir vielleicht zusammen ein bisschen einordnen und natürlich auch noch ein bisschen nach vorne blicken.
00:03:16: Erinnere ich mich an unseren allerersten Podcast in diesem Jahr.
00:03:20: Den haben der Bürgermeister und ich damals geführt und da ging es um einen Ausblick auf twenty-five.
00:03:27: Und CP, kannst du dich da erinnern, was du auf die Frage, worauf du dich zwei twenty-five am meisten freust, gesagt hast?
00:03:35: Ja, das weiß ich noch sehr genau.
00:03:37: Das war dass ich mich auf den hundertsten Geburtstag von Albrecht bei uns im Rathaus im Festsaal des historischen Rathauses sehr freue.
00:03:46: Und heute bin ich froh, dass das geklappt hat.
00:03:47: Aus meiner Sicht war es eine fantastische Veranstaltung mit vielen tollen Gästen.
00:03:52: Und es ist nicht alltäglich, dass in einem solchen Rathaussaal dann ein roter Teppich ausgerollt wird.
00:03:58: Dieser Teppich endete vor einem Sofa auf dem Gerder und Albrecht saßen und das waren zumindest für mich empfunden.
00:04:04: Ich denke, Albrecht wird das gleich bestätigen.
00:04:07: Tolle Erlebnisse, weil wirklich viele Ehrengäste da waren und Albrecht gratulieren konnten.
00:04:12: Ich kann mich gut erinnern, dass wir den roten Teppich ausgeholt haben.
00:04:15: Das war wie bei der Oskarverleihung.
00:04:17: Genau so war es.
00:04:18: Aber für unseren Ehrenbürger und der hat es auch verdient.
00:04:20: Genau.
00:04:21: Albrecht, wie hast du die Feierzeit am hundertsten Geburtstag hier im Rathaus erlebt?
00:04:26: War das so, wie du dir das vorgestellt hast?
00:04:28: Einfach unglaublich, dass mir sowas geboten wurde und durchgefüllt wurde.
00:04:36: von der Stadt.
00:04:37: Es ist einfach für mich zurückzudenken, dass ich als Kind hier auf der Straße gar nicht vorbeigehen durfte.
00:04:47: Und jetzt bin ich ein Ehrengast im Rathaus gewesen.
00:04:51: Mein hunderte Geburtstag gefeiert mit vielen, vielen Gästen.
00:04:56: Das ist unglaublich.
00:04:58: Es ist einfach toll.
00:05:02: war ja mal so, dass, sagen wir vor achtzig, vormundachzig Jahren eben aus diesem Rathaus auch Entscheidungen der Nazis quasi umgesetzt wurden.
00:05:10: Deswegen kann ich mir vorstellen, war das so, dass du eine Zeit lang tatsächlich auch gesagt hast, das Rathaus, nein, da gehe ich in meinem ganzen Leben nie wieder rein?
00:05:18: Wäre nachvollziehbar, oder?
00:05:21: Wir waren ja deutsche Bürger.
00:05:23: Wir wurden ja nur verfolgt wegen unserer Religion.
00:05:28: Und auf so einem Dorf wie Raude Fehn, Damals, jeder hat sich gekannt, das war ein kleines Breine, die soll ich sagen Bewohner, und da wurde immer, immer, immer bei uns, oder wenn jemand mit meinem Vater irgendwie Geschäft tun wollte und sich nicht ausgekannt hat, dann wurde nicht gesagt, wo wohnt Alfred Weinberg?
00:05:56: Da wurde immer gesagt, der Glaube.
00:05:58: Alfred ist ein Papa gewesen, oder?
00:06:00: Ja, schuldigung.
00:06:02: Wo wohnt der Jöt?
00:06:03: Immer der Jöt war.
00:06:05: Antisemitismus.
00:06:07: Obwohl wir genau solche Menschen waren wie unsere Nachbar mit zwei Händen und zwei Füßen.
00:06:15: Wenn die ihre Feiertage hatten, die Pontistanten oder die Katholen oder Bibelforschers, wie sie sich damals genannt haben, das war ... Ein Verpörver, da wurde gar nicht drüber geredet.
00:06:29: Aber Weihnachten, so um diese Jahreszeit, wir sind bei unseren Nachbarn eingeladen und am Tannenbaum, wir haben gesungen, oh Tannenbaum, die Grünen sind deine Blätter, und die sind, wir haben ein kleines Geschenk bekommen und das wurde dann returned.
00:06:48: oder bevor Kallukal, das Lichter fest.
00:06:52: beim jüdischen Glauben, da kamen die Kinder zu uns.
00:06:55: Ich bin mit Kipkapkögel gelaufen, mit meiner Nachbarn.
00:07:00: Da war kein Hass unter uns, unter uns Nachbarn, sagen wir mal so, wie sich das später ausgearbeitet.
00:07:08: Also du wohnst also ungefähr seit, seit fünfzehn Jahren jetzt wieder in Ostfriesland und hast davor ja nach dem Krieg ungefähr sechzig Jahre in New York gelebt.
00:07:16: Ja, genau.
00:07:17: Wie ist das eigentlich zustande gekommen, dass du jetzt tatsächlich wieder hierher gekommen bist?
00:07:22: Die Sache war so, eines Tages kam ein Brief vom Bürgermeister Bokov, glaube ich war der Name, ob ehemalige jüdische Bürger der Stadt leer eine Einladung da, ob wir für zwei Wochen nach leer kommen.
00:07:38: Und wenn meine Schwester und ich den Brief gelesen haben, wir haben am Tisch gesessen und wir fahren noch nicht wieder nach Deutschland, was die uns da angetan haben.
00:07:51: Aber ich habe den Brief in der Schublade geschmissen und ein paar Wochen später oder ein Monat später kam mein Brief von Herrn Gerhard Beikirch, der hatte ein Gruppenbild von der ehemaligen jüdischen Schule und da waren meine Kursengs drauf, das muss von den Sechserdreißig aufgenommen sein.
00:08:16: Und wir gucken uns an meine Schwester und ich, haben wir unsere Meinung geändert.
00:08:22: Ah, okay.
00:08:23: Und das war dann quasi das erste Mal, dass er wieder da war.
00:08:26: Man kann also sagen, wenn ihr in den letzten Jahrzehnte nicht nach Leer gekommen wird, würdest du möglicherweise immer noch in New York leben.
00:08:33: Ja,
00:08:34: versteht.
00:08:35: Also insofern war das sicherlich ein sehr wichtiges Projekt damals, euch da wieder nach Leer zu holen.
00:08:41: Lass mich mal im Einschreiten Albrecht.
00:08:44: Ich war da auch der Hauptgrund.
00:08:45: Ihr habt hier damals Lerana Bürger kennengelernt, die zu diesem Treffen ja auch eingeladen worden sind, die das Ganze unterstützt haben.
00:08:55: Und daraus sind Freundschaften entstanden, die über die Jahre hinaus bestehen geblieben sind.
00:09:01: Ihr habt euch zu Weihnachten geschrieben.
00:09:03: Manche haben bei euch Urlaub gemacht in Florida, wo ihr später gelebt habt.
00:09:08: Und so sind diese Freundschaften entstanden.
00:09:11: Und als Friedel dann krank wurde, deine Schwester, da haben die Freunde gesagt, ihr müsst nach Leer kommen, damit wir euch helfen können.
00:09:19: Das haben wir angenommen.
00:09:21: Aber wir sollten in Raudafen im Reilschift, im Altenheim, einen Szenen unterkommen, aber das war überfüllt.
00:09:31: Und da sind wir nach Leer, auf der Heißfelder Straße, in das Altenheim gekommen.
00:09:38: Und da war Frau ... Deneckas, Altenpflegerheit.
00:09:43: Okay, jetzt weiß ich noch mal.
00:09:44: Im Zeitsprung, im Jahr zwölf war das Jahr, als du dann tatsächlich zurückgekommen bist.
00:09:49: Also erst war der Gedanke Rauder-Fehnen, aber ihr seid dann...
00:09:52: Ja, er ist dann ins Altenheimersfelde gekommen und da war ich dann Altenpflegerin.
00:09:56: Ja.
00:09:58: Jetzt interessiert mich.
00:09:59: Jetzt haben wir im Jahr zweitausendfünfundzwanzig.
00:10:01: Das heißt, du bist jetzt seit dreizehn Jahren... wieder in der Stadt Leer.
00:10:06: Man kann es ja auf jeden Fall auch deine Heimat, auch wenn es rau da fehn eigentlich ist, aber Leer ist natürlich die Region, das ist deine Heimat.
00:10:13: Wie würdest du das beschreiben, wie sich deine Beziehung zu deiner Heimat in den letzten Jahren wieder verändert hat?
00:10:20: Hat sich das irgendwie tatsächlich verändert, das Thema Heimat für dich?
00:10:25: Ich weiß nicht, da wurde ich auch von den Schülern immer gefragt, was ist deine Heimat?
00:10:32: oder wo ist deine Heimat?
00:10:34: Ich habe gesagt, meine Heimat, wo ich rausgeworfen wurde, wo meine Eltern ermordet wurden, wie kann ich euch erklären, ob das meine Heimat war?
00:10:44: Wenn wir nach Amerika gekommen sind, da steht eine Statue auf Liberty im Hafen und mit offenen Armen und haben uns willkommen.
00:10:56: Der Unterschied war so tremendous, dass wir Wir wollen nicht mehr von Europa wissen.
00:11:04: Aber du würdest heute trotzdem wieder sagen, Lea, Lea ist deine Heimat heute.
00:11:08: Lea
00:11:09: ist wunderbar.
00:11:11: Da freut sich der Bürgermeister auf jeden Fall.
00:11:15: Den drehe ich jetzt mal den Spieß um und komme zu dir, CP.
00:11:18: Also was die Bedeutung der Stadt Lea angeht.
00:11:20: Was bedurte denn andersrum Albrecht Weinberg für die Stadt Lea?
00:11:24: Ja, wir hören es heute ja, was Albrecht erlebt hat.
00:11:27: darüber er auch offen spricht und das ist, glaube ich, das Entscheidende.
00:11:32: Wir sind froh, dass er wieder in Leer ist, dass er sich dazu entschieden hat, auch hier zu bleiben und dass er hier sowohl wundend aufgenommen wurde und er bedeutet für die Stadt eben eine enorm gute Fügung, weil Albrecht ist, das hört man so ein bisschen raus, ein warm herziger Mensch, der es versteht, mit Menschen zu sprechen, der auf die Bedürfnisse von Menschen eingeht.
00:11:56: Also ich erlebe das oft.
00:11:57: dass er zwar erzählt, aber dann gleichzeitig fragt, wie geht's dir und dann weiß er beim nächsten Mal auch noch, wie geht's demjenigen und kann dann da auch wieder ansetzen und sag, hast du das überwunden, geht's heute besser.
00:12:07: Das macht nicht jeder Mensch, aber Albrecht ist so, das ist ein ganz, ganz, ganz lieber Mensch.
00:12:12: Und für Leer ist es halt wichtig, wir leben in schwierigen Zeiten, das wissen wir alle, was gerade politisch auch hier in Deutschland passiert oder weltweit passiert.
00:12:21: Und wenn wir einen Mana an dieser Stadt haben, der mit jungen Menschen spricht und sagt offen, was kann aus einer solchen Entwicklung passieren, dann ist das, ich will nicht sagen unbezahlbar, sondern das ist einfach ein großartiges Geschenk, dass er das offen sagen kann.
00:12:35: und gerade unsere Jugend muss das hören, muss das verstehen.
00:12:38: und wie versteht man es am besten, wenn es einer erzählt, dass er leider erleben musste.
00:12:43: Jetzt hatten wir vorhin schon gesagt, der hundertste Geburtstag, das war im März, da erinnern wir uns alle ganz gerne dran.
00:12:50: Danach hatte ich zumindest den Eindruck, dann war es ein bisschen ruhiger geworden, nach dem Geburtstag, nach dem ganzen Trubel.
00:12:56: Im Sommer und jetzt auch im Herbst, wenn man da auch die Zeitung aufschlägt, dann denkt man aber, Puh, Albrecht ist aber auch wieder, ich sage es noch so, der ist auf Tour.
00:13:04: Also pogrom gedenken kann ich mich erinnern, da habe ich mich gefragt, ist der geklont worden?
00:13:08: Also gleichzeitig in Wena, in Lea, in Raudafen, nicht in Wena, aber Reiterland, irgendwie, ne?
00:13:13: Ja.
00:13:14: Oder die Hofe, genau.
00:13:16: Da frage ich mich, wie machst du das, Albrecht?
00:13:19: Woher nimmst du eigentlich die Kraft?
00:13:20: Oder was treibt dich an?
00:13:21: Ohne Gerda geht nix.
00:13:25: Ganz einfach.
00:13:27: Die macht die Termine, sie macht Essen und Trinken und ich...
00:13:35: Hält dich immer laufen sozusagen.
00:13:36: Aber wir haben uns auch ab und zu mal in der Haare.
00:13:40: Ich hab
00:13:40: nicht mehr viele, aber... Da sind noch ein paar.
00:13:44: Okay, aber nichtsdestotrotz, weil die Frage ist ja, was dich antreibt, das ist sicherlich auch das so ein bisschen, was der Bürgermeister gerade gesagt hat nach wie vor.
00:13:53: Genau, es ist einfach kaum zu glauben, dass ich, wie ich schon gesagt habe, mein Lebensabend so verbringen kann.
00:14:04: Anstatt in einem alten Halb zu sitzen in dein Zimmer und ... Wie ein Wettstipel, wie ein Korabi im Garten.
00:14:16: Okay.
00:14:19: Genau.
00:14:21: Zum Beispiel erinnere ich mich jetzt auch noch an den Galli-Markt.
00:14:24: Also ich bin mir nicht ganz sicher, aber mindestens zweimal hast du auf jeden Fall zur Eröffnung schon oben auf der Rathaus-Treppe gestanden.
00:14:31: Da frage ich jetzt mal den Bürgermeister, weil du hast das ja auch irgendwie möglich gemacht.
00:14:35: Wie ist es da eigentlich so gekommen, dass das Albrecht jetzt auch immer da oben steht?
00:14:39: Also, ich meine, dass es so war, dass Gerda und Albrecht gesagt haben, wir möchten gerne mal zum Gallimad kommen.
00:14:45: Also, Albrecht möchte zum Gallimad kommen.
00:14:47: In Zelt, in Zelt.
00:14:48: In
00:14:48: Zelt, genau.
00:14:49: Das wollte ich sagen.
00:14:50: So
00:14:50: laden, wie du.
00:14:51: Ja, und dann, ich sage mal gerne, ein Ehrenbürger darf in dieser Stadt wirklich alles, darf auch ins Schwimmbad und braucht dafür nicht bezahlen.
00:14:58: Ein Ehrenbürger ist ein Ehrenbürger.
00:15:00: Und dann war es selbstverständlich, dass er eine Einladung bekommen hat in das Zelt.
00:15:05: Und dann hat er gesagt, wie ist das eigentlich da oben auf der Treppe?
00:15:08: Und dann haben wir uns kurz vor der Rede einmal in dem Raum dahinter getroffen.
00:15:14: Und dann habe ich ihn gefragt, Albrecht willst du mit?
00:15:16: Und dann hat er gesagt, ja, möchte ich.
00:15:18: Und wenn ich mich die richtige Ändere, hat Gerda gesagt, da musst du aber ein paar Stufen gehen.
00:15:23: Willst du das wirklich?
00:15:23: Und dann hat Albrecht wieder gesagt, ja, ich will.
00:15:25: Und dann haben wir ihn untergehakt.
00:15:27: Und dann ist er mit auf das Podium oben.
00:15:30: Und was dann passierte, das verges ich nie.
00:15:34: Die Menschen haben ihn sofort erkannt, das stehen ja hunderte von Menschen vom Rathaus dann und haben angefangen zu uploadieren.
00:15:41: Albrecht hat in die Menge geguckt und ja, das fand ich sehr, sehr, sehr bewegend, das war.
00:15:47: Genau, ich stand unten und hab genau, ich hab wie dich Gänsehaut gehabt, meine Güte.
00:15:53: Was macht das eigentlich mit dir, Albrecht, wenn du da quasi gefeiert wirst wie so ein Popstar?
00:15:57: Der Unterschied ist so groß von meiner Jugendzeit.
00:16:02: Und die jetzt hier seid, das ist nicht zu beschreiben, was in meinen Kopf geht.
00:16:08: Wir haben einen Film gemacht, der bald veröffentlicht wird.
00:16:13: Und die Überschrift ist Albrecht Weinberg.
00:16:17: Es ist alles in meinen Kopf.
00:16:20: Oder habe ich das verkehrt gesagt?
00:16:22: Nein, das ist richtig.
00:16:23: Das ist, glaube ich, ein ZDF-Film, der im Fernsehen ausgestrahlt werden soll, richtig?
00:16:29: Genau.
00:16:30: Okay, und ich glaube, was ich, können wir das verraten, CP?
00:16:34: Das sollten wir ja.
00:16:35: Dann mach du das auch mal.
00:16:36: Ja, so.
00:16:38: Also es wohl so oder Gerda, du kannst das eigentlich viel besser, willst du das nicht erzählen?
00:16:42: Ja, es ist, wir haben angedacht, dass wir hier in Leer eine Vorprämiere machen.
00:16:47: Da sind auch die Macher des Films voll mit einverstanden.
00:16:51: und wollen wir mal gucken, wer überlassen der Stadt das, in was für einer Location das sein soll, sei es die Blinke oder... oder das normale Kino oder wobei das wahrscheinlich zu klein wird oder das Zoll aus, wie auch immer.
00:17:07: Aber das überlassen wir euch, wo das passieren soll.
00:17:10: Das
00:17:10: ist natürlich eine große Ehre für die Stadt, dass wir hier die Premiere ausstrahlen dürfen.
00:17:15: Der Film ist über mehrere Monate und Jahre hier in
00:17:18: zwei Jahre.
00:17:19: Genau, ist ja so entstanden.
00:17:20: Ihr seid ja ständig begleitet worden von einem Kamerateam bei verschiedensten Veranstaltungen.
00:17:25: Wir wurden immer die Kamen regelmäßig von Berlin hierher und das erste, was die immer gemacht haben, haben uns verkabelt.
00:17:29: Wir sind permanent mit Kabeln und laut der Mikrofon und so was herumgelaufen, aber irgendwann stört das gar nicht mehr.
00:17:38: Und ja, und das haben die jetzt zu einem neunzig Minuten Film zusammengeschnitten.
00:17:43: wirklich weltweit gezeigt werden soll.
00:17:45: Der läuft mit englischen Untertiteln, damit er in allen Schulen auf der ganzen Welt gezeigt werden soll.
00:17:52: Und da gibt es eine Firma, steht dahinter, die das dann vermerken.
00:17:55: Und ja, und vorab irgendwann kommt er auch im ZDF.
00:17:59: Genauer Termin steht noch nicht fest, aber
00:18:01: ja.
00:18:02: Das ist schon mal ein richtig toller Ausblick auf zwei, sechsundzwanzig.
00:18:07: Da freuen wir uns alle und wir werden natürlich das bei uns, sobald wir wissen, wann da was läuft, werden wir das auch von der Stadt natürlich begleiten und kommunizieren außen, damit auch jeder will, ich dann weiß, wann das Ganze läuft in Leer und wann auch im Fernsehen.
00:18:21: Jetzt waren wir gerade vom Gallimarkt zum Fernsehen gekommen.
00:18:24: Du durftest nicht zum Gallimarkt und deswegen ist es für dich auch was ganz, ganz besonderes, dass du heute nicht nur dabei sein darf, sondern dass du da sogar bei der Reffnung im Mittelpunkt stehst.
00:18:35: Manchmal, wenn ich so im Bett liege und nicht einschlafen kann, wenn ich so zurückdenke, es ist unglaublich, dass das noch in meinem Leben passiert ist.
00:18:48: Wie ich aufgenommen wurde, speziell hier in Leer.
00:18:54: Ganz meine... Es ist nicht zu glauben.
00:18:59: Ich gehe nach Rauderfeind in Albrecht-Weinberg-Gymnasium, die Schulkinderschein.
00:19:05: Hallo, Albrecht!
00:19:06: Hallo, Albrecht!
00:19:08: Albrecht hin und Albrecht her.
00:19:13: Als südisches kleine Kind ist es unmöglich, das zu wiederholen.
00:19:19: Oder wenn ich ins Eis eingebrochen bin, im Kanal vor der Tür, was meine ehemaligen Schulfreunden gesungen haben auf plattdeutsch.
00:19:29: aber ihr könnt ihr alle kein plattdeutsch
00:19:31: das verstehen wir natürlich
00:19:33: das nicht singen aber das habt ihr wahrscheinlich schon gehört
00:19:37: alle nicht.
00:19:37: aber die kinder haben dich damals verspottet das das und die haben dir nicht geholfen.
00:19:40: na
00:19:41: ne die haben gesungen sitten hier den daib sitten hier den daib wenn ich versuppte ich helb umdreht.
00:19:48: aber nachbar war ein mensch Ich aus dem Kanagel gezogen, mit nassen Klamotten nach Hause.
00:19:58: Und da habe ich einen hinterm Versuch gekriegt, da musste ich ins Bett.
00:20:01: Also ich war so dumm, weil ich da nicht eingebrochen bin.
00:20:04: Jetzt nochmal zurückgeblickt auf das Jahr und auf die Höhepunkte des Jahres.
00:20:08: Da gab es ja für dich nicht nur deinen hundertsten Geburtstag, sondern das wissen auch viele mittlerweile.
00:20:15: Der Bundespräsident war bei euch zu Hause und hat Tee getrunken.
00:20:20: Wer kann das von sich behaupten?
00:20:21: Ich weiß es nicht.
00:20:25: Wie war das denn so?
00:20:26: Die
00:20:26: Sache war so, ich habe das Bundesverdienstkreuz gekriegt und wir haben einen guten Bekannten, der heißt Luigi, ein Künstler, ein Mahler oder was er hier ist und der hat auch Bundesverdienstkreuz gekriegt.
00:20:50: und der Der hat an die Rufen, ich gebe meinen Bundesverdienstkreuz zurück.
00:20:56: Und automatisch habe ich, wie gerne, und ich will sagen, im Wohnzimmer habe ich gesagt, ich mache das auch.
00:21:04: Warum?
00:21:05: Weil ich mich als Kind erinnere, wenn Hindenburg sich die Hand gegeben hat mit Adolf Hitler.
00:21:14: Und
00:21:14: dann ging das los.
00:21:15: Da kam die ganze, die ganze Europa mit, mit, mit, mit Filmen und mit.
00:21:21: Interviews und so weiter und so.
00:21:23: Es war eine Explosion.
00:21:26: Aber da habe ich ja gar nicht mitgerechnet gehabt.
00:21:28: Und dann, wo Steinmeier's Office hat angerufen, ich soll nach Berlin kommen und er wollte mich interviewen.
00:21:38: Ich bin hundert Jahre alt, ich kann nicht schon so ein Trip unternehmen.
00:21:45: Kommt du doch zu mir, hast du gesagt?
00:21:46: Und warum kommen sie nicht mal noch mehr?
00:21:50: Er kennt Leer und so weiter und so fort.
00:21:54: Und mit einmal krank kriegen wir eine Nachricht.
00:21:57: Der Bundespräsident, der kommt und will euch besuchen.
00:22:03: Der Bürgermeister, den hat er nicht besucht, aber er hat Albrecht besucht.
00:22:07: Da stimmt, da stimmt.
00:22:10: Okay, kannst du da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?
00:22:13: Wie war das?
00:22:14: Trinkt der Tee mit Klundchen oder?
00:22:16: Ja, ja.
00:22:17: Und Pflaumenkuchen.
00:22:19: Hast du sogar ein Bild mit mir gemacht?
00:22:22: Wir haben beide angestoßen, ein Sekt getrunken.
00:22:26: Albrecht Weinberg-Sekko?
00:22:28: Was?
00:22:29: Ja, der Albrecht hat fünf verschiedene Weinsorten.
00:22:31: Das geht vom Albrecht Weinberg-Gymnasium aus.
00:22:34: Das kann man in Arodaphen erwerben.
00:22:36: In dortigen Museum wird das verkauft.
00:22:39: Unter anderem eben halt auch einen Albrecht Weinberg-Sekko.
00:22:42: Das geht über die Firma Wolf hier aus Leer, die das vorbereiten.
00:22:47: Und da haben die beiden angestoßen.
00:22:49: Also es war ein sehr, zwei Stunden sind sie geblieben.
00:22:52: Es war ein sehr netter Vormittag.
00:22:55: Sehr nette Menschen, beide.
00:22:57: Es war wirklich sehr nett und zuvorkommt und es hat ihnen unendlich Leid getan, dass Albrecht das durchgezogen hat mit dem Bundesverdienstkreuz.
00:23:06: Aber er ist ja standhaft geblieben und hat sich nicht überreden lassen, auch nicht vom Bundespräsidenten.
00:23:13: Okay.
00:23:14: Jetzt haben wir tatsächlich ... Einiges an wichtigen Termin in diesem Jahr, gerade schon mal durchgesprochen.
00:23:19: Wir hatten deinen hundertsten Geburtstag, wir hatten den Gallimarch, Steinmeier war bei euch und man kriegt ja gar keinen Eindruck.
00:23:27: Das hatten wir vorhin schon mal, was ihr für eine unfassbare Terminlage so im Jahr habt.
00:23:32: Könnt ihr das vielleicht nochmal, damit man noch ein bisschen besser einen Überblick bekommt, nochmal so zusammenfassen, was vor allem so auch im ersten Halbjahr oder vor dem Geburtstag alles los war?
00:23:41: Ich weiß vielleicht kein Gerda da am besten als deine Managerin.
00:23:44: Noch mal eben was zu sagen.
00:23:46: Ja, also das war in der Tat so.
00:23:48: Es ist unglaublich, was jetzt in zwei taunen, zwanzig über uns hereingestürmt ist.
00:23:54: Es ist damit angefangen im Januar, dass der achtzigste Befreiungstag von Auschwitz war.
00:24:00: Und da sind unendlich viele Journalisten aus aller Welt, als wenn Albrecht der einzigste Überlebende ist, wobei er ja im Hauptlager von Auschwitz gar nicht war, noch leben würde.
00:24:11: Also es gab.
00:24:12: sich Interviews, Anfragen, Fernsehaufnahmen.
00:24:15: Wir hatten manchmal dreimal die Woche verschiedene Fernsehanstalten bei uns und Internationale und Interviews.
00:24:26: Und aus Berlin ist ein ganzer Bus mit Journalisten gekommen und hat ihm in der jüdischen Schule, bei so vielen Leuten nehmen wir dann die jüdische Schule.
00:24:35: und haben bei einer so einer Pressekonferenz.
00:24:37: Da saß er dann hinter ganz vielen Mikrofonen.
00:24:41: Das war zu diesem achtzigsten Jahrestag.
00:24:43: Dann kam sein Geburtstag und dann kam ja die Wahlen, die politische Veränderung hier in Deutschland und die Wahlen.
00:24:52: Und sein Geburtstag, das was sehr Positives war, ein wunderbarer Geburtstag, den die Stadt ausgerichtet hat.
00:24:58: Das war nur einer Geburtstag.
00:25:00: Drei Tage später war ein Rauder Fehn in seiner seinem Gymnasium eine große Geburtstagsfeier und ein paar Tage später noch in der jüdischen Gemeinde zu Ollenburg, wo eine Albrecht Weinbechmedaille herausgegeben ist, die im nächsten Jahr zum ersten Mal dann neu wieder verlegen wird.
00:25:19: Und dann kam dieser Moment mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes und da brach dann alles über uns herein.
00:25:31: Also binnen zwei Tagen stand das Telefon nicht still und es klingelte unentweht unten an unserer Tür, die ja schon mal rausgekriegt hatten, wo wir wohnen.
00:25:41: Und also wirklich, das war bis hin nach Irland und London und Japaner waren bei uns zum Filmen und ich weiß gar nicht, New York Times, alles Französische.
00:25:57: Französische Zeitungen, alles Mögliche.
00:26:01: Und zwischendurch hatten wir dann auch noch die Herausgabe unseres Buches und hatten auch permanent Lesungen überall.
00:26:08: Und wir waren ständig unterwegs.
00:26:09: Wir waren dauernd in Berlin und alles Mögliche.
00:26:12: Und dann kam Mitte Juli dann plötzlich kurz vor den Sommerferien, hatte Albrecht dann quasi einen Zusammenbruch mehr oder weniger.
00:26:22: Eine Woche lag er.
00:26:23: Ich hatte die schlimmsten Befürchtungen.
00:26:26: Aber er hat sich ja wieder erholt dank meiner Pflege.
00:26:29: Und er ist eigentlich wieder der Alte.
00:26:31: Und ihr habt die Termine abgesagt, das ist auch wichtig.
00:26:34: Dann hab ich einen Schlussstrich gezogen, hab gesagt, keine Zeitzeugengespräche.
00:26:38: Darüber hinaus waren wir auch in diesem ganzen Halbjahr immer zweimal in der Woche in einer ehemaligen jüdischen Schule, weil wir haben gesagt, wir gehen nicht mehr zu den Schulen hin, sondern die Schulen müssen zu uns kommen.
00:26:49: Und die kamen tatsächlich in rauen Mengen, Susanne.
00:26:53: Frau Bracht kam gar nicht nach mit Termine.
00:26:56: Und da waren wir immer Montags und Mittwochs, auch morgens.
00:27:00: Und das ist ja auch nicht eben so, dass man so sein Leben erzählt, so ein schreckliches Leben, wie er hatte.
00:27:05: Das macht ja auch was mit einem.
00:27:08: Und dann ging's nicht mehr.
00:27:09: Der Körper hat gestreikt und er hatte wirklich so einen leichten Zusammenbruch.
00:27:16: Aber er hat sich wieder gut erholt.
00:27:18: Wir machen nach wie vor keine Zeitzeugengespräche mehr.
00:27:20: Das machen wir nicht mehr.
00:27:22: Aber wir sind sonst für alles offen.
00:27:24: Okay, das ist das, was ich vorhin noch angedordet habe, dass man erst in Eindruck hatte, da war richtig was los und dann ist es ein bisschen ruhig geworden.
00:27:30: Und jetzt zuletzt war wieder ein bisschen mehr.
00:27:32: Das ist genau so.
00:27:33: Vielleicht der richtige Moment, um noch ein Thema anzusprechen, was quasi bei euch immer aktuell ist.
00:27:40: Das Thema ist die Synagoge in Leer, die ehemalige, die ja in der Programmnacht niedergebrannt worden ist von den Nazis.
00:27:49: Jetzt weiß ich, Albrecht, dass du Den Wunsch hast, dass ist ein angemessener Erinnerungsort an der Stelle der ehemaligen Synagoge irgendwann realisiert wird.
00:28:02: Ich glaube, du hast eine spezielle Beziehung auch zur Synagoge.
00:28:05: Du bist damals in Lear, als die Synagoge noch stand, als Kind oder als Jugendlicher da gewesen, richtig?
00:28:10: Ja, genau.
00:28:11: Ich bin dort konformiert worden.
00:28:14: Wie heißt das, konformiert?
00:28:21: Wir wurden doch um eine Familie, Frau Delfen war ja Tabu für uns, wir durften dann nicht mehr, nicht mehr wohnen.
00:28:30: Und wir waren dann in der Bremer Straße bei Polax im Hinterhaus, hatten wir eine kleine Küche, eine Stube ohne Fenster und ein Schlafzimmer, wo nur zwei Betten, da kein Nachtisch, kein gar nichts war, war sehr, sehr, soll ich sagen.
00:28:49: von einem normalen Leben zu heller geworden.
00:28:54: Und es war so üblich, wenn ein Junge Bar Mitzwe wurde, dann die paar Familien, die noch in Leer gelebt haben, sind dann auch mittags gekommen und haben meine Eltern gratuliert, wahrscheinlich.
00:29:08: Ich weiß, kann mich nicht mehr entsinnen.
00:29:10: Aber wir hatten keinen Platz oder keine normale Wohnung.
00:29:16: Hat die Frau Polak uns ihr ... ihre Stube gegeben, dass wir, wenn die Leute kamen und Eltern gratuliert haben, dass ich Bar Mitzwe in der Synagoge gefeiert hatte, dass ich, dass, dass sie sie empfangen konnte, wie, wie normaler Menschen.
00:29:34: Aber wir hatten in der Zeit eine schlimme Zeit hier in Deutschland.
00:29:39: Und das muss tatsächlich ganz kurz davor gewesen sein, bevor die Synagoge damals niedergebrannt worden ist.
00:29:44: Ja, das
00:29:44: war, ja, das war im Ende, Ende.
00:29:49: Und jetzt weiß ich auch, dass du öffentlich auch gesagt hast, dass jetzt, wie das da aussieht, wo früher die Synagoge war, dass das ein Schandfleck ist und dass du unbedingt möchtest, dass diese Erinnerungskultur da besser wahrgenommen wird.
00:30:05: Hast du da... Stimmt, jetzt fällt mir gerade ein, du hast auch Geld gesammelt, um das zu deinem hundertsten Geburtstag.
00:30:13: Das zeichnet natürlich, dass das absolut dein großer Wunsch ist.
00:30:17: Ja, ich war in Auschwitz.
00:30:24: Und wenn einer in Auschwitz war, manche sind sehr fromm geworden und fallen auf die Knie dreimal am Tag und manche überhaupt nicht.
00:30:35: Ich bin einer von denen, ich habe noch ein paar Erinnerungen, zum Beispiel, wenn jetzt das Lichter fest ist, ich zünde sechs Kerzen an.
00:30:47: und Gedenke an sechs Millionen der Morsen.
00:30:50: Das ist meine Religion.
00:30:52: Ich bin seitdem nicht wieder in eine Synagoge gegangen und habe gebetet.
00:30:56: Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer, der da oben angeblich über die Wolken ist, mit dem Baden und mit einem langen Stab, ein katholischer Glaube ist, ein protestantischer ist, dass jeder ein Leben gott hat.
00:31:17: Wenn da ein lieber Gott etwas machen kann, dann wäre Auschwitz nie entstanden.
00:31:24: Seitdem bin ich kein gläubiger Mensch mehr.
00:31:28: Aber der Platz, das ist ein Gotteshaus und hier sind Kirchen und hier sind Pastoren und Priester usw.
00:31:40: Man hört nicht von denen.
00:31:42: Man muss wissen, dass Die Synagoge ja damals abgebrannt wurde aufgrund einer Anweisung des damaligen Bürgermeister.
00:31:50: Der hat gesagt, zündet dieses Haus an und der hat auf die Feuerwehr zurückgehalten, dieses Haus, dieses Gotteshaus zu löschen.
00:31:59: Ja, hier wird nicht gelöscht.
00:32:01: Hier wird nicht gelöscht.
00:32:02: Man hat darauf geachtet, dass die Nachbarhäuser nicht Feuer befangen, aber dass die eigentliche Synagoge sollte abrennen.
00:32:10: Und das war ja die schlimmste Nacht in der Geschichte unserer Stadt.
00:32:13: Von daher ist es ein Herzenswunsch des heutigen Bürgermeisters, wenn ich von mir sprechen darf, dass ich diese Goldharten irgendwie wieder ungeschehen machen kann, weil man das überhaupt kann.
00:32:24: Von daher haben wir deinen Wunsch, dass wir diese Fläche als Stadt irgendwie erwerben und sie zu einem Ähnungsort machen, haben wir
00:32:33: sehr... Dass da mal ein Gotteshaus gestanden hat.
00:32:36: Genau, das würden wir gerne wieder aufnehmen oder möchten wir aufnehmen.
00:32:40: Und ich kann sagen, dass wir da in intensiven Gesprächen mit dem heutigen Eigentümer stehen.
00:32:46: Das ist schwierig, das stand auch in den entsprechenden Medien mittlerweile, diese Fläche für uns zu erwerben.
00:32:53: Gleichzeitig haben wir aber einen Planverfahren begonnen, einen Bebauungsplan aufgestellt.
00:32:58: Und das ist wichtig, oder wir sind in der Aufstellung, dieses Bebauungsplan ist, das ist wichtig, weil der Bebauungsplan wird, das sind ja ortsrechte Ortsgesetze, wird auf dieser Fläche ein eine Freifläche, eine Gedenkfläche festsetzen.
00:33:13: Es darf nie wieder bebaut werden.
00:33:15: Es wird eine freie Fläche sein, die man dann als Gedenkort nutzen kann.
00:33:21: Das muss und kann eine Stadt so machen.
00:33:23: Darüber entscheidet der Rat.
00:33:24: Da gehe ich von aus, dass das auch so passieren wird.
00:33:27: Und wichtig ist dann, dass die Stadt zweiter Linie in den Besitz dieses Grundstückes kommt.
00:33:33: Enteignen werden wir nicht können.
00:33:35: Das will ich auch klar sagen, das hat man irgendwann mal gemacht.
00:33:37: Früher, so hat man ja auch die guten um ihre Grundstücke gebracht.
00:33:40: Das machen wir nicht.
00:33:42: Aber im Guten würden wir das gerne erwerben.
00:33:44: Ja, und wir haben jetzt eine kleine Privatinitiative gestartet.
00:33:49: Wir haben über unseren guten Freund Nikolas Büchse, der beim Stern ja arbeitet und der uns seinen Buch auch ja geschrieben hat mit Albrecht.
00:33:58: Da haben wir den Gebeten, sich an den Eigentümer zu wenden.
00:34:02: Und Albrecht möchte ihn gerne zum Tee, zu sich nach Hause einladen und einfach mal mit ihm reden.
00:34:09: Wir uns interessiert einfach, warum er sich so sperrt.
00:34:15: Und darauf, oh Wunder, hat er zurückgeschrieben, zu dem Nicolas Büchse, er würde sich in dieser Woche mit mir in Verbindung setzen, weil der hat ihm meine Daten dann übermittelt.
00:34:26: Aber bislang hat er sich noch nicht hören lassen, aber die Woche ist ja noch nicht zu Ende.
00:34:31: Das ist ja zumindest was, was die Wendung in dieser Geschichte angeht.
00:34:34: Erst mal ein positives Zeichen, würde ich sagen.
00:34:36: Also, dass der Unternehmer zumindest angekündigt hat, dass er euch besucht.
00:34:40: Ja.
00:34:40: Okay, dann würde ich sagen, für zwei tausend sechsundzwanzig sind wir nach wie vor
00:34:46: optimistisch.
00:34:47: Optimistisch, dass wir da was auf die Reihe kriegen, weil wieder Bürgermeister das betont hat.
00:34:51: Das ist sehr, sehr, sehr wichtig für uns als Projekt.
00:34:54: Schön wäre es ja, wenn Albrecht das erlebt.
00:34:57: Genau.
00:34:58: Und das wäre natürlich wunderbar.
00:35:01: Genau, wo wir gerade schon bei bei zwei tausend sechsundzwanzig sind.
00:35:04: Ich habe am Anfang gesagt, uns Weihnachten steht in einigen Tagen an und dann kommt das neue Jahr Silvester.
00:35:12: Ich würde mich nochmal interessieren, wie ihr tatsächlich jetzt Weihnachten feiert bzw.
00:35:17: was macht ihr am Tag vor Neujahr?
00:35:21: Am Tag vor, neuer, also an Silvester.
00:35:26: Jetzt kann man leider nicht sehen, was Albrecht mit seinen Hand gemacht hat.
00:35:28: Er hat, glaube ich, mit einem Glassekt angestoßen und getrunken.
00:35:31: Ja, Albrecht ist ja einer, der abends sehr, sehr früh ins Bett geht.
00:35:35: Mit Hundert darf man das ja auch und...
00:35:37: Was heißt das, elf Uhr abends, oder?
00:35:39: Nee,
00:35:39: schon noch eher.
00:35:40: Also, er hält... Albrecht hat in all den Jahren, die haben nie Silvester gefeiert oder so, auch in Amerika nicht.
00:35:50: Und da hat er überhaupt gar keine Bindung zu, wie er sowieso zu Alten feiern in dem Sinne, überhaupt keine Bindung hat.
00:35:59: Also man muss sich das so vorstellen, der aufgrund seines schlimmen Erlebnisses und so haben die nie gefeiert, so wie unser eins in jungen Jahren vielleicht gefeiert hat oder tanzen gegangen ist oder so.
00:36:11: Da hat er alles überhaupt kein Verständnis für, dass Leute das machen.
00:36:15: Und wenn will das Leute das oft machen oder wie auch immer.
00:36:18: Und Alkohol trinkt er sowieso nicht, in keiner Weise.
00:36:21: Und von dem her, wir feiern jetzt ab Sonntag, ist bei den Juden das Hanukkahfest.
00:36:27: Das ist ein Lichterfest, das geht über acht Tage.
00:36:30: Jeden Tag wird eine neue Kerze angezündet auf der Minora.
00:36:33: Und das machen wir jeden Abend gemeinsam.
00:36:36: Und das endet kurz vor unserem christlichen Weihnachtsfest.
00:36:40: Und dann habe ich auch noch ein bisschen Familie, die kommen dann an Weihnachten und da ist er in dem Trubel mittendrin.
00:36:48: Ich habe fünf Enkelkinder und die sind aber mittlerweile alle fast erwachsen.
00:36:53: Aber uns so feiern wir gemeinsam.
00:36:56: Wir essen zu Heiligabend was Leckeres und Weihnachten und Silvester gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen.
00:37:03: Das gibt es schon, muss er ja mitessen.
00:37:05: Weil ich das mache.
00:37:06: Und ja, und dann vielleicht nimmt er ein Schlückchen Sekt, aber auch nur vielleicht.
00:37:11: Nicht Albrecht?
00:37:12: Ja, ich kann den ganzen Glas trinken.
00:37:15: Es schmeckt man einfach nicht.
00:37:17: Ich habe keine Gelegenheit gehabt, in meiner Jugendzeit bis in den zwanzigern Sekt zu trinken oder ein Bier zu trinken.
00:37:26: Also nur, wenn es eine Ausnahme ist, könnte es sein, dass du vielleicht auch deinen eigenen Sekt, diesen Prosecco aus Rauder fähn.
00:37:33: Ja.
00:37:34: Der ist sogar lecker.
00:37:35: Dieße.
00:37:36: Dieße.
00:37:37: Haben wir doch eine Lösung gefunden.
00:37:39: Also für hierhin schon mal vielen Dank, dass ihr uns mitgenommen habt, heute mit einem Rückblick ins Jahr v.a.
00:37:46: und auch einen kleinen Ausblick gewacht habt.
00:37:48: Da das unsere letzte Folge ist in diesem Jahr, würde ich ausnahsweise dem Bürgermeister mal das letzte Wort überlassen,
00:37:56: CP?
00:37:57: Ja, sehr gerne.
00:37:58: Es ist wirklich die letzte Folge für im Jahr v.a.
00:38:01: und ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, allen, die die verschiedenen Folgen mit aufgezeichnet haben und mit begleitet haben und dort zu Gast waren, zu danken, dass sie das gemacht haben, insbesondere dir.
00:38:13: Es war eine schöne Zeit, es hat Spaß gemacht, das aufzuzeichnen.
00:38:17: Und heute, ich habe hier die ganze Zeit gesessen und habe Albrecht und Gerda beobachtet, es ist ja nicht selbstverständlich, dass ein hundertjähriger im nächsten Jahrhundert eins wird und leider nicht im Rathaus feiert.
00:38:29: dass der hier vor einem Mikro sitzt und aus seiner Geschichte erzählt.
00:38:33: Das hat mich wieder mal sehr beeindruckt.
00:38:35: Vielen Dank an euch beide, dass ihr das mitgemacht habt.
00:38:38: Wir haben ja wirklich nur angerufen und ihr habt sofort ja gesagt, das war wirklich toll.
00:38:42: Also von da vielen Dank.
00:38:43: und an die Hörerinnen und Hörer möchte ich sagen, ich hoffe sie, ja sie hören es ja nach Weihnachten, haben ein schönes Weihnachtsfest mit ihren Familien feiern könnten.
00:38:54: Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen alles, alles Gute, vor allen Dingen Gesundheit.
00:38:57: Ich glaube, das ist das Allerwichtigste in der heutigen Zeit.
00:39:01: und Frieden auf Erden.
00:39:02: Vielen Dank.
00:39:03: Okay, jetzt hattest du das letzte Wort.
00:39:05: Ich weiß nicht, ob Albrecht tatsächlich nochmal noch das letzte Wort haben wollte.
00:39:10: Nein, natürlich.
00:39:14: Im Jüdischen sagt man ganz, ganz kurz, Marcel Toff.
00:39:19: Das heißt viel Glück im neuen Jahr.
00:39:22: Gesundheit.
00:39:23: Und zur Friedenheit.
00:39:25: Aber die Welt ist eben vollkommen mit Schuhe.
00:39:29: Nur, wie soll ich sagen, nur Zores.
00:39:32: Das schneiden die nun nachher raus.
00:39:34: Warum?
00:39:35: Er hat ja recht.
00:39:37: Ja gut, jetzt habt ihr alle einmal das letzte Wort gehabt.
00:39:39: Jetzt bin ich dran.
00:39:40: Ich wünsche allen Hörerinnen und Hörern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
00:39:46: Und wir hören uns, zwei tausend, sechsundzwanzig, wieder.
00:39:53: Das war Kurz Erklärt, Ihr Podcast aus dem Rathaus Leer.
00:39:57: Abonnieren Sie uns, um keine Folge zu verpassen und schicken Sie Ihre Fragen an socialmedia at leer.de.
00:40:04: Tschüss
00:40:05: und bitte an der Maul.
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